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Deutsche Fertigungskennzeichen des Zweiten Weltkrieges -
German Military Letter Codes

1. Zur Erklärung:

Ab 1940/41 mussten auch die Betriebe der optischen, fotografischen und feinmechanischen Industrie des Deutschen Reiches (und damit alle Dresdner Kamerafirmen) ihr Fertigungsspektrum auf kriegswichtige Produktion umstellen. Diese Rüstungsprodukte oder deren Zulieferungen trugen keine Herkunftsbezeichnung sondern eine für diesen Zweck entwickelte Codierung. Die Kenntnis dieser Verschlüsselung gibt sowohl dem historisch Interessierten, als auch dem Sammler, Aufschluss über die Produkte der einzelnen Firmen.
Diese Fertigungskennzeichen oder Herstellercodes des Zweiten Weltkrieges sind 3-stellige rein alphabetische Buchstabenkombinationen, die der verschlüsselten Herstellerkennzeichnung von Waffen, Munition und Gerät der deutschen Wehrmacht dienten. Das Heereswaffenamt (HeWaA) führte sie mit Erlass B 65 c 10/11 WaZ 2 des Oberkommando des Heeres (OKH) vom 01.07.1940 ein. Da aber schon seit dem Jahr 1925 ein Kennzeichensystem bestand und dadurch bereits eine Vielzahl von Codierungen existierten, bereitete die schnelle Umsetzung Schwierigkeiten. Es gibt beispielsweise Produkte mit alten Kennzeichen, die aber nach dem Juli 1940 gefertigt wurden.

2. Eine Auswahl von Herstellern der optischen, fotografischen und feinmechanischen Industrie und ihre Fertigungskennzeichen

Code
 

Hersteller
 

gzy

Albert Patin Werkstätten für Fernsteuertechnik, Berlin

dpg

Adox Kamerawerk GmbH, Wiesbaden

nxr

Anschütz & Co., Kiel-Neumühlen

kjj

Askania Werke A.G., Berlin-Friedenau

oeq

Balda-Werk Max Baldeweg, Dresden

hkm

Carl Braun K.G., Nürnberg

blc

Carl Zeiss, Jena (Militärabteilung)

lmq

Carl Zeiss, Jena (Montage ausländischer Komponenten)

rln

Carl Zeiss, Jena (optisches Zubehör)

jfp

Dr. Karl Leiss, Optische und Mechanische Instrumente, Berlin-Steglitz

beh

Ernst Leitz GmbH, Wetzlar

cxn

Emil Busch A.G., Rathenow

krq

Emil Busch A.G., Rathenow (Montage ausländischer Komponenten)

gxl

Franke & Heidecke, Braunschweig

bwt

G. Heyde KG, Dresden

kwc

Gamma Feinmechanische und Optische Werke, Budapest

bmj

Hensoldt u. Söhne, Mechanisch-Optische Werke A.G., Wetzlar

mbv

I.G. Farbenindustrie A.G., Agfa, Berlin

bzz

I.G. Farbenindustrie A.G., Agfa, Camerawerk München

hwt

Ihagee Kamerawerk Steenbergen & Co., Dresden

kqc

Jos. Schneider und Co. K.G., Göttingen

dkl

Jos. Schneider und Co., Optische Werke Kreuznach

cau

Kodak Aktiengesellschaft, Dr.-Nagel-Werk, Stuttgart-Wangen

hna

Korelle Werke, G. H. Brandtmann & Co., Dresden

dzl

Oigee GmbH, optische Anstalt, Berlin

bpd

Optische Anstalt C. P. Goerz GmbH, Wien

fwr

Optische Anstalt Saalfeld GmbH

eug

Optische Präzisions-Werke GmbH, Warschau

ccx

Optische und Feinmechanische Werke Hugo Meyer & Co., Görlitz

bmt

Optische Werke C. A. Steinheil Söhne GmbH, München

esu

Optische Werke C. A. Steinheil Söhne GmbH, München
(Teleskope, Optiken)

pvf

Optische Werke C. Reichert, Wien

jve

Optische Werke Ernst Ludwig, Weixdorf

eso

Optische Werke G. Rodenstock, München

hdv

Optische Werke Osterrode GmbH, Osterrode/Harz

lfn

Reflekta-Kamerafabrik C. Richter, Tharandt

kna

Robot, Berning & Co. K.G., Düsseldorf

jfn

Tetenal Photowerk Dr. Triepel K.G., Berlin

gug

Ungarische Optische Werke A.G., Budapest

hfo

Valentin Linhof OHG, München 

mtr

Voigtländer & Sohn A.G., Berlin

ddx

Voigtländer & Sohn A.G., Braunschweig

jon

Voigtländer-Gevaert, Berlin

dpw

Zeiss Ikon A.G., Berlin, Goerzwerk

dpv

Zeiss Ikon A.G., Dresden

dpx

Zeiss Ikon A.G., Stuttgart, Contessawerk

Die folgenden 15 Listen sind bekannt und wurden vom OKH in unten stehender Reihenfolge herausgegeben. Demzufolge geht daraus auch der Zeitpunkt der Zuteilung des Kennzeichens hervor.

Liste
 

Ausgabedatum
 

a-z, aa-zz

10/1940

aaa - azz

11/1940

baa - bzz

02/1941

caa - czz

03/1941

daa - dzz

04/1941

eaa - ezz

05/1941

faa - fzz

06/1941

gaa - gzz

07/1941

haa - hzz

08/1941

jaa - jzz

09/1941

kaa - kzz

06/1942

laa - lzz

09/1943

maa - mzz

12/1943

naa - nzz

08/1944

oaa - ozz

10/1944

3. Quellen:

  • "Liste der Fertigungskennzeichen für Waffen, Munition und Gerät", Oberkommando des Heeres, Berlin 1944
  • "Liste der Fertigungskennzeichen für Waffen, Munition und Gerät", Karl R. Pawlas, Publizistisches Archiv für Militär- und Waffenwesen, Nürnberg 1977, ISBN 3-88088-214-2
  • "German Military Letter Codes, 1939-45", John Walter, East Sussex 1996, Small Arms Research Publications

4. Die Rüstungsproduktion ausgewählter Betriebe der Dresdner Fotoindustrie

Balda-Werk Max Baldeweg (oeq): Ab 1940 wurden Messgeräte für Flugzeuge, Höhenmesser und Variometer hergestellt.

Ernst Ludwig Optisches Werk Weixdorf (jve): Optische Bauteile für Visiergeräte kamen ab 1941 aus Weixdorf.

Filmosto Johannes Jost: Teile für Funkgeräte mussten ab 1940 zugeliefert werden.

G. Heyde KG (bwt): Produktion von Scherenfernrohren, Theodoliten (Landvermessungsgeräten), Luftbildgeräten und optischen Bauteilen.

Ihagee Kamerawerk Steenbergen & Co., Ihagee Kamerawerk AG (hwt): Zur Beschlagnahme des niederländischen Betriebskapitals kam es 1941 und am 1. Januar 1942 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Firmengründer Johan Steenbergen emigrierte mit seiner jüdischen Frau am 15. Mai 1942 in die USA. Ab 1941 wurden in dem jetzt unter deutscher Zwangsverwaltung stehenden Werk Teile für Navigationsgeräte als Zulieferung für die Firma Albert Patin, Werkstätten für Fernsteuertechnik Berlin, gefertigt. Von 1940 bis 1943 produzierte die Ihagee noch etwa 400 Kine-Exakta-Kameras für „Sonderbedarf“ (Kriegsberichterstattung, Geheimdienst etc.).

Kamera-Fabrik Woldemar Beier Freital: An die Firma Askania Berlin-Friedenau (kjj) wurden Baugruppen für Flugzeuge und U-Boote zugeliefert.

Kamera-Werkstätten Charles A. Noble: Rüstungsprodukte waren unter anderem Flugzeugfilter für die Askania-Werke Berlin-Friedenau (kjj). Die Firma wurde, im Gegensatz zu anderen Dresdner Fotofirmen ausländischer Eigentümer (siehe Ihagee), während des Krieges trotz Rüstungsproduktion nicht unter deutsche Zwangsverwaltung gestellt.

Welta-Kamera-Werk Freital: Die Firma hatte 1935 etwa 220 Mitarbeiter, 1940 begann die Zulieferung für die Rüstung, Anfang 1945 waren über 200 Mitarbeiter dafür tätig. Der Betrieb war also zu 100% mit Rüstungsproduktion ausgelastet.

Zeiss Ikon AG, Dresden (dpv): Militärische Geräte wie Flugzeitmesser, Bombenzielgeräte, Luftbildkameras, Zeitzünder, Entfernungsmesser und Zielfernrohre waren bereits ab 1935 eine profitable Einnahmequelle. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden zur Wehrmacht einberufene Arbeiter durch ”Fremdarbeiter” (Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) ersetzt, die Rüstungsproduktion erreichte fast eine Vollauslastung des Betriebes. Die Zeiss Ikon war einer der größten Dresdner Rüstungsproduzenten.

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   Stand / Revision: 24.03.2007

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